Pferd-Mensch Berichte aus den Pferdeflüsterer Aufbaukursen 2021

RAY UND KATRIN:

Katrin bezeichnet sich selbst als “Helikopterpferdemutti”. Sie glaubt, dass ihre drei Pferdejungs, die sie in Eigenregie hält, froh sind, wenn sie mal mit Umbauten und anderen Basteleien am Stall beschäftigt ist. Weil dann weniger Aufmerksamkeit auf ihnen liegt. Dass sie sich all dessen bewusst ist, ist schon ein großer Schritt. Denn Ray sagt uns deutlich, dass er sich Katrin als Ruhepol wünscht.

Ray und Katrin üben das fühlen

Ray ist ein menschenfreundliches, junges Pferd mit schwieriger Vergangenheit, der zu Katrin eine sehr enge Bindung hat. Lässt man die beiden allein, klebt Ray an seiner Katrin, gibt ständig Küsschen und schnabelt an ihr herum. Er wirkt dabei unsicher und unruhig. Insgesamt berichtet er, dass er unbedingt noch stärker werden möchte und dass er nun endlich bereit sei. Das wiederholt er immer wieder. Ray ist sechs Jahre alt und Katrin braucht einen Moment, bis sie kapiert, was er damit meint: Er ist bereit, sie zu tragen und Erwachsenensachen zu machen. Er ist kein Baby mehr.

Für Katrin ist das schwer, sie hat Respekt davor, einen Teil ihrer Kontrolle aufgeben zu müssen, wenn sie sich auf seinen Rücken setzen und tragen lassen würde. In der freie Begegnung zeigt sich auch schnell, dass es eher Katrin ist, die noch Zeit dafür braucht. Zeit, um bei sich anzukommen. Vom Machen ins Fühlen zu geraten. Nicht von einem Projekt ins nächste zu rauschen und sich dabei zu wundern, wieso so viele Menschen regelmäßig ihre persönlichen Grenzen überschreiten. Katrin ist gut im Machen, sogar sehr gut. Dass sich Ray aber von ihr wünscht, dass sie bei sich bleibt, das lernt sie im Pferdeflüsterer Aufbaukurs. Es ist schwer für sie, ihren Körper wahr zu nehmen, die Erde unter sich zu spüren und voll und ganz für sich präsent zu sein, wenn sie bei Ray ist. Mit jeder Einheit, die die beiden zusammen auf dem Reitplatz erleben, wird das aber besser.

Ray zeigt uns Zuschauen sofort, was das mit ihm macht: Auf einmal hat er die Wahl, weg zu bleiben. Er muss Katrin nicht mehr verfolgen, bedrängen und an ihr kleben. Er kann für sich sein, Katrin beobachten und ihr mental beistehen. Erst, als Katrin es tatsächlich schafft, ihn gedanklich ganz loszulassen (“Ich glaube, jetzt wird er nicht kommen.”), da kommt Ray und betritt ihren Raum. Mit dem Abwerfen ihrer Erwartungen hat Katrin Ray einen neutralen Raum eröffnet, den er sich so wünscht. Katrin hatte ihn zum eingeladen und ihm auch deutlich die Botschaft gesendet, dass er kommen darf, aber nicht muss.

Am letzten Tag des Pferdeflüsterer Aufbaukurses wirkt Ray auf uns auf einmal wie ein souveränes, gestandenes, selbstsicheres, innerlich absolut ruhiges Pferd. Von dem Gehampel und Küsschengebenmüssen ist nichts mehr übrig. Die beiden können beieinander sein, ohne ständig über die energetischen Grenzen des anderen zu schreiten und den Raum ihres Gegenübers zu besetzen. Beiden tut das sichtlich gut. Von hier aus darf es weitergehen, denn nur mit dieser Grundhaltung ist echtes Beisammensein überhaupt möglich, ganz besonders wenn es ums Reiten geht.

NIC UND ULLI:

Nic ist schon ein älterer Herr, der von Gebrechlichkeit nichts wissen möchte. Er hat sich schon im Basiskurs als “Vorstandsvorsitzender” bei mir bekannt gemacht, denn Nic ist der absolute Chef, der sich wirklich um alles und jeden kümmert. Nic ist wie ein vielbeschäftigter Manager, der gar nicht anders kann. Als ich ihn im Aufbaukurs das erste Mal anspreche, nachdem ich ihn gerade physisch kennen gelernt hatte, sagt er direkt: “Und? Wann findet die Herdenzusammenführung statt?”. Er meint damit seinen Kurskumpel Ray, die Stuten vom Grundstück gegenüber, die er schon mal klar gemacht hat und dazu noch meine drei Pferde. Er würde sich um alles kümmern. Als ich ihn frage, ob er denn nicht auch mal Pause machen könne, schließlich sei das hier auch immer etwas Wellnessurlaub für die Pferde, sagt er nein. Er kann nicht anders. Wenn es etwas um ihn herum zu tun gibt, dann tut er es halt. Denn alle anderen können das nicht so gut, wie er. Dass er dabei schon längt über seine Belastungsgrenze gegangen ist, kann man sehen. Er lässt es uns aber kaum spüren und bewahrt den ganzen Kurs über Haltung, denn Schwäche ist nichts für ihn.

Nic und Ulli haben eine große Seelenschnittmenge

Sorgen macht er sich aber schon: Um seine Ulli. Es überrascht uns kein Stück, zu erfahren, dass Ulli ebenso längst über ihre Belastungsgrenze gegangen ist und ihr Körper schon reagiert hat. Sie kann deshalb momentan nicht arbeiten und berichtet, dass auch sie immer für alles und jeden da war und ist. Sie kümmert sich um pflegebedürftige Angehörige, um ihre Pferde und um alles, was Hilfe braucht. Ulli opfert sich auf und kann nicht anders. Denn wenn sie jemand braucht, muss sie da sein. Ulli ist nicht so ein harter Typ, wie Nic es ist. Sondern eher vom Schlag “zu gut für diese Welt”. Als ich sie frage, ob sie schon jemals Urlaub gemacht habe, sagt sie nein.

Ulli weiß im Kopf, dass sie etwas ändern muss. “Bald” sagt sie. Nic findet: Jetzt. Also versuche ich, Ulli in den Einheiten spüren zu lassen, wie es wäre, Urlaub zu haben und sich nicht mehr um alles und jeden zu kümmern. Automatisch nimmt Nic dabei sofort die gewohnte Haltung ein: Wenn Ulli entspannt, wacht er. Er passt auf sie auf und findet es gut, dass sie das Nichtstun übt. Das ist zwar schön, aber auch Nic darf schauen, was das alles mit ihm macht. Der nächste Versuch, Nic aus seiner Rolle zu holen ist es, Ulli emotional spüren zu lassen, was diese Aufopferung in ihr auslöst. Ich hoffe auf etwas Wut, die sie heraus lassen könnte und auf die Nic reagieren darf, aber wir finden nur Wut auf sich selbst. Nic begleitet sie liebevoll dabei und steht ihr bei. So richtig weiter kommen wir damit nicht. Ich frage Nic, was ihr und ihm helfen würde. Er sagt: “Freude. Lass uns spielen!” und den Rest des Kurses verbringen die beiden damit, auf die schöne Seite des Lebens zu schauen. Sie erleben spielerische Momente voller Leichtigkeit und vergessen fast alles um sich herum. Nic mahnt, dass Ulli mehr Zeit für diese leichten, märchenhaften Momente mit ihm einräumen soll. Das Nichtstun ist noch zu schwierig. Also wird die Aufopferung für andere bei beiden durch die gemeinsame Freude ersetzt. Was für ein schöner Schritt. Danke, Nic.

SANDRA UND ALICE:

Die schöne Alice ist eine Dame in fortgeschrittenem Alter, die keine Ohren für Smalltalk und Belangloses hat. Sie möchte auch nicht mit verniedlichenden Kosenamen von Fremden angesprochen werden, sondern reserviert ihre wunderbare Herzenswärme für ihre Sandra. Alice ist ein herausforderndes Übungspferd für meine Pferdeflüstererschüler, weil sie einem im Pferdegespräch nichts schenkt. Man muss schon auf ihrer Ebene kommunizieren, um ein fließendes Gespräch zu bekommen. Sie hat kein Problem damit, nichts zu sagen, wenn es nichts zu sagen gibt. Alice geht es gut, Sandra versteht sie und sie hat nichts auszustehen, weil sie und Sandra eine wunderbare, freundschaftliche Beziehung in gegenseitigem Respekt führen. Eigentlich läuft es erst am letzten Tag des Pferdeflüsterer Aufbaukurses für die Schüler richtig rund mit ihr, als Alice ihre Weisheiten verteilen darf. Alle sind beeindruckt von ihr.

Sandra und Alice spielen

Auf dem Platz zeigt sich die Verbindung von Sandra und Alice deutlich: Alice folgt Sandra und spielt mit ihr auf eine losgelassene, fröhliche Art und Weise. Man kann sehen, dass beide unbeschwert miteinander sind, nichts steht zwischen ihnen. Alice wurde nie darauf trainiert, Sandra frei zu folgen und auch das Spielen probieren die beiden hier zum ersten Mal. Was man an den beiden wunderschön sieht ist, dass wenn jemand nichts muss, es viel Raum fürs gemeinsame Sein gibt. Alice ist bereits in Rente und muss bei Sandra gar nichts. Sie sagt zu mir, sie habe sich früher “Ihre Lorbeeren verdient” und Sandra sagt, dass sie erfolgreich im Sport war. Aber heute braucht sie das nicht mehr und genießt ihr Leben. Sie lebt zusammen mit zwei anderen Pferden Zuhause bei Sandra und die kümmert sich gut um ihre Pferde. Auch Alice kümmert sich gut um alles. Weil die beiden sich auf Augenhöhe begegnen können und keine gegenseitigen Leistungserwartungen haben, können sie frei sein.

KAVALIER UND NICOLE:

Kavalier, der Name ist Programm. So ein selten höflicher Wallach, zu Mensch und Pferd. Kurspferdstute Alice hat sich zu recht direkt in ihn verliebt. Ein bedachter, intelligenter Pferdemann, der sehr erfolgreich im Dressursport unterwegs ist. Kavalier kann alles, liebt es, das zu zeigen und bewundert zu werden. Es fühlt sich gut für ihn an, zu performen. Selbst wenn der halbe Turnierplatz im Sturm wegfliegt, zieht er in Seelenruhe seine Kür durch. Wenn seine Nicole aber aus Versehen die Decke falsch auflegt, zuckt Kavalier zusammen.

Kavalier denkt nach

Dieser Widerspruch in Kavalier zeigt sich deutlich im Pferdeflüsterer Aufbaukurs. Er berichtet sehr gern von seinem Können, zeigt uns aber auch innere Zerrissenheit und Trauer. Er und Nicole haben Geschichte. Sie sind eng verbunden und lieben sich sehr. Sie haben bereits zwei schlimme Reitunfälle erlebt, einen davon hat Nicole nur knapp überlebt. In den Momenten, wo beide im Kurs gemeinsam auf dem Platz stehen, wird deutlich, was das mit ihm macht. Kavalier äußert immer wieder, dass er Angst hat, ihr weh zu tun, wenn er Nicole zu nahe kommt. Er möchte so gern bei ihr sein, aber er ist unsicher, wie er gefahrlos mit ihr zusammen sein kann. Er sorgt sich und deutet mehrmals passend auf Nicole’s derzeitigen, körperlichen Zustand hin. Sie meint, sie sei gesund und würde ihn irgendwann gern wieder reiten, aber nur zur gemeisamen Freude. Kavalier weiß es besser, er zeigt Nicole wie mehrfach verschoben und zerbrechlich. Nicole versucht, ihre Körperenergie in Ordnung zu bringen. Das gibt ihm etwas Sicherheit und er nähert sich, aber nur ein wenig. Kavalier sagt deutlich: Es braucht Zeit. Er möchte seine alte Identität als Leistungsdressurpferd hinter sich lassen und glaubt, dass auch Nicole deutlich mehr außerhalb ihrer Arbeitsidentität unterwegs sein sollte. Das ist in seinen Augen der Weg, um sicher und im Einklang zusammen zu sein. Denn die Arbeitsrollen sind in seinen Augen nicht echt, sondern eine äußere Haltung. Was er sich mit Nicole aber wünscht, ist innere Verbundenheit.

Für beide ist diese Aufgabe, als würden sie neu geboren, da beide sich über ihre Arbeitsidentität lange definiert haben. Nicole ist immer schon eine sehr erfolgreiche, starke, führende Selbstständige, die für ihre Arbeit lebt. Kavalier sucht noch nach der zarten, spielerischen, jungenhaften Seite in sich, die wir alle schon spüren können. Beide wissen noch nicht recht, wie sie in die neue Haltung gelangen, aber Kavalier hat eine Idee: Gemeinsame Kurzurlaube, ob im Alltag oder unterwegs und gemeinsam leben. Nicole hat das schon gehört, sie kümmert sich bereits darum.

PINA UND ANNA:

Pina ist drei Jahre jung und gehört seit einem dreiviertel Jahr zu Anna und ihre betagten Wallach Chirac, der Anna schon seit ihrer Kindheit begleitet. Anna arbeitet selbst seit vielen Jahren mit Pferden und Menschen und als sie sich letztes Jahr zur Pferdeflüsterer Ausbildung anmeldete und entschied, eins ihrer Pferde mitzubringen, mischte sich Pina direkt ein. Für sie war klar, dass sie es sein würde, die mit her käme. Das wäre sehr wichtig. Diese Dringlichkeit behielt sie bei und meldete Anna schon mal vor Kursbeginn, dass sie nicht so gern mit dem cremefarbenen Wallach zusammen stehen wolle. Weder Anna noch ich wussten zu dem Zeitpunkt, dass ein cremefarbener Wallach kommen würde. Sie behielt natürlich Recht und berichtete mir direkt am ersten Tag, dass es unglaublich wichtig sei, dass sie mit Anna hier wäre und dass dies ein bedeutungsschwerer Moment für Anna und sie und ihre Zukunft sei. Ich fragte nach, was sie hier wichtiges erleben oder verändern möchte oder ob es Themen zwischen Anna und ihr gäbe, die geklärt werden müssen. Aber sie meinte, einfach hier zu sein und uns zu sagen, wer sie ist, das würde reichen. Sie behielt Recht, denn für Anna war dieses Modul ihrer Ausbildung ausschlaggebend für die Kursänderung ihrer eigenen Arbeit. “Das hier ist genau unser Ding” sagte Pina zu mir.

Anna und Pina gehören zusammen

Pina ist mit ihren zarten drei Jahren jetzt schon eine sehr große Persönlichkeit, die es sich klar und deutlich hinter ihre hübschen Pferdeohren geschrieben hat, Menschen zu lehren. Sie glaubt, die perfekte Lehrerin für das Leben an sich und für die Pferd-Mensch-Themen zu sein. Sie ging im Aufbaukurs sogar so weit, dass sie immer unbedingt direkt zwischen uns Menschen stehen musste, wenn wir mit den anderen Pferden arbeiteten. Sie kam mir oft nahe, wollte mitunterrichten und fand einmal sogar, sie solle lieber gleich meinen Platz einnehmen. Pina hat eine gewisse Dringlichkeit mit diesem Auftrag, der etwas übertrieben zutage kommt. Sie hat auch die Idee, das perfekte Reitpferd zu werden, am liebsten sofort. Wenn man sie fragt, was sie sonst noch gern machen möchte, ist die Antwort: Alles. Im Detail erzählt sie, wie gut sie in Allem wäre und sie hat Recht. Sie ist ein Zauberpferd. Sie kennt sich dazu noch aus in spirituellen Angelegenheiten und so weiter. Aber sie ist auch noch ein Baby. Diese ganze Wichtigkeit, die sie sich auferlegt hat, überlagert manchmal, im Hier und Jetzt das zu sein, was sie ist: Ein junges Pferd im jungen Körper, der nichts leisten muss. Natürlich hat auch Anna ein ähnliches Thema, die relativ früh im Leben schon eine große Wichtigkeit mit einer sehr kompetenten Lehrerrolle für viele Pferde und Menschen war und ist. Anna lernt gerade, weniger zu machen und mehr zu sein, denn auch sie kam an ihre Grenzen. Zum Glück ist sie da schon einen Schritt weiter, als ihr Pferd und bürdet ihrer schönen Pina noch nichts auf, wozu sie noch gar nicht in der Lage ist. Die Dringlichkeit darf einer inneren Ruhe und Souveränität weichen, aus der dann wahre Größe wachsen darf. Alles parallel zu dieser wunderbaren Öffnung auf dem Weg des Pferdeflüsterns. Pina hat Recht: Auf die beiden wartet eine glohrreiche, wunderschöne Zukunft.

MELLI, DELPHINE UND JARO:

Melli ist eine junge Frau, die gemeinsam mit ihren beiden Ponies auf der Suche nach Heimat ist. Als die drei hier ankommen, ist klar, dass es nicht zurück gehen wird. Anstatt dessen geht es weiter in einen neuen Stall, in dem sich die drei endlich nicht mehr verstellen müssen. Denn Melli und ihren Ponies ist klar: Sie brauchen Weite, Raum, Offenheit, Verständnis und Zeit. Sie alle drei haben die Nasen gestrichen voll davon, sich anpassen zu müssen, um sein zu dürfen. In Melli’s Ponies zeigen sich zwei ambivalente Seiten ihrer Persönlichkeit.

Die etwas forsche Delphine (Schimmel) ist es leid, immer alles regeln und auf alle aufpassen zu müssen. Sie ist genervt davon, dass Melli noch nicht in ihre Eigenverantwortung gekommen ist. Delphine meint, sie müsse alles regeln und alles tragen und hat einfach keinen Bock mehr darauf. Sie findet, es wäre hoch an der Zeit, dass Melli endlich mal die Führung übernimmt. Bitteschön auf keinen Fall mit Druck oder Nachdruck oder auf pseudodominante Art und Weise, sondern selbstverständlich aus ihrer Kraft und Mitte heraus. Delphine wartet darauf. Bis dahin ufert sie regelmäßig aus, rennt sich in ihre Fluchten und ist oftmals unberechenbar.Jaro ist ein schüchterner, verunsicherter Pferdemann, der nach Anerkennung lechzt und der seine Vergangenheit hinter lassen sich möchte. Er hat viel erlebt, fühlt sich klein, wurde oft missverstanden und als unbrauchbar abgestempelt. Auch er hat unberechenbares Verhalten, denn er ist ein hochsensibler Typ, der die Welt anders sieht und anders wahrnimmt, als die meisten Wesen. Er braucht Zeit und Gewissheit, um sich in neuen Situationen zurecht zu finden. Er hofft, es richtig zu machen, möchte endlich seine Männlichkeit anerkannt bekommen und von Melli gelobt werden. Er ist erschöpft von dem, was war und möchte nie mehr kontrolliert und dominiert werden. Er braucht einen sicheren, geschützten Raum zusammen mit Delphine und Melli.

Melli mit ihren beiden Zauberpferden

Melli spricht gern von der Weite, Unendlichkeit und dem Raum, die sie und ihre Pferde brauchen. Dabei vergisst sie, dass all die Unendlichkeit dem entspringt, was in ihr ist. In diesem Kurs geht es für Melli und ihre Ponies weniger darum, etwas gemeinsam zu machen. Sondern eher darum, dass Melli lernt, aus ihrer Mitte zu handeln. Sie darf sich spüren lernen und sich sichtbar machen. Jeden Tag, den wir das neu üben, wird Mellis Präsenz für die anderen Schüler spürbarer und schon bald wird klar, dass ihre Kraft eine große ist. Als sie diese nur ansatzweise in sich spürt und heraus bringt, reagiert ihre sonst vorpreschende Delphine direkt. Sie zeigt uns, wie schön es ist, dass Melli sich nun kümmert, in dem sie bei einer vorbei fahrenden Kutsche nun hinter Melli und deren sicheren, energetischen Raum stehen bleiben und sich das Schauspiel relativ ruhig ansehen kann, ohne auszuufern (siehe letztes Foto). Melli ist begeistert: Normalerweise wäre Delphine auf jeden Fall vor sie zur Kutsche und dann ein paar Runden gelaufen. Wir alle freuen uns mit ihr.

ANTON UND KATJA:

Anton findet, dass dieser Kurs für Katja sei. Er begleitet sie gern, steht ihr bei, spricht auch gern mit uns. Aber Hilfe braucht er keine. Alles ist in Ordnung, es geht ihm gut, er ist sehr glücklich mit seiner Katja. Wir klären im Laufe des Kurses ein wichtiges Missverständnis: Katja denkt, Galopp wäre zu anstrengend für Anton. Er jedoch passt nur besonders gut auf seine Katja auf, wenn sie reiten. Jedem einzelnen Teilnehmer zeigt Anton aber, wie gern er mit Katja auch richtig schnell galoppieren möchte. Sie ist erleichtert, denn auch sie mag es schnell. Anton liebt das Gefühl, seine Katja zu tragen. Er findet es toll, weil man sich dann so nah sein kann, wie sonst nie.

Für Katja tut Anton alles

Die beiden zeigen deutlich, wie es ist, wenn man sich bedingungslos füreinander entschieden hat und wie viel diese Liebe ausmacht. Für Anton gibt es nichts mehr, was sein Leben aus der Bahn werfen würde, einfach weil er weiß, dass Katja immer da sein wird. Er fühlt sich absolut sicher, geborgen und gesehen. Die beiden zu erleben ist eine Wonne! Wir alle verzeihen es Anton sofort, dass er nichts wirklich “machen” will, um als Übungspferd den Kontakt zu Kunden, die sich ein Pferdegespräch vor Ort am Stall wünschen, zu demonstrieren. Er möchte einfach nur froh sein, Katja zusehen und sie lieb haben.

Als Katja ihm Spiel- und Reitangebote macht und wir schauen, ob er zu ihr kommt oder sich darauf einlassen möchte, sagt er immer nur: “Wie schön du das machst, Katja! Ich sehe dir so gern zu. Mach ruhig, du lernst hier viel. Du kannst jederzeit zu mir kommen.” und schaut sie dabei wohlwollend an. Also kommt Katja zu ihm, darf ihn kraulen, sich auf ihn setzen und dann legen, um gemeinsam zu sein. Am Ende lässt Anton uns noch wissen, dass andere sich ein Beispiel nehmen könnten an der Loyalität und Liebe ihrer Beziehung. Wie Recht er hat!

FIONN UND KRISTINA:

Es ist erstmal nicht einfach für Kristina, zu verstehen, was ihr Pferd meint, als es erst im Basiskurs und dann im Aufbaukurs wieder fast allen Teilnehmern vermittelt: “Ich bin ein Lichtwesen.” Die Teilnehmer lesen vor, was Fionn ihnen diktiert hat und kommentieren seine Aussagen mit Sätzen wie “Ich habe das jetzt einfach so aufgeschrieben, verstehe es aber nicht.”. So weit sind wir in unserer Ausbildug noch nicht, dennoch ist Fionn halt so ein Pferd: Hochspirituell, sein Wesen ist in oberen Gefilden angeordnet und dennoch ist er ein handfestes, willensstarkes und lebensfrohes Pferd, was sich nicht mehr gern etwas sagen lässt. Fionn berichtet uns, dass er ein vorzüglicher Menschenlehrer ist.

Fionn bringt seiner Kristina alles bei

Fionn hat keine leichte Vergangenheit, er wurde als Schulpferd benutzt und aufgrund von Widersetzlichkeit aussortiert. Fionn liebt Kristina über alles und meint, sie brauche ihn. Er hat sich ihr voll und ganz zugeordnet, die beiden sind in sehr liebevoller Verbindung. Bei Kristina ist er ein mutiger, wilder Typ, der unbedingt mit ihr durch die Gegend galoppieren möchte, am besten so frei wie möglich. Er versteht überhaupt nicht, wieso das in der Umsetzung etwas schwierig ist. Kristina sucht die Schuld bei sich und denkt, sie wäre noch nicht so weit, obwohl sie das auch gern möchte. Ihre Ritte allein sind eher chaotischer Natur, davon ist Kristina überfordert. Als wir Fionn dann auf dem Platz frei entscheiden lassen, dass Kristina sich ohne alles auf ihn setzt, wird schnell klar: So mutig und wild, wie er tut, ist er beim Reiten gar nicht. Er setzt seine schönen Hufe sogar recht vorsichtig und unbewusst, wenn er Kristina trägt. Es fehlt ihm an Erdung. So ein Lichtpferd braucht manchmal etwas Bodenkontakt.

Sein wilder Mut stammt nicht nur aus Selbstbewusstsein, sondern kompensiert auch seine Unsicherheit, die er nicht so gern zeigen möchte. Als Fionn merkt, dass er hier bei uns sicher ist, lässt er auch seine traumatisierte Seite ab und zu durchscheinen und zeigt uns Parallelen zu Kristina auf. Fionn strengt es sehr an, so tief blicken zu lassen und bittet mich, lieber Kristina auf dem Reitplatz etwas zu helfen, ihre Kraft besser zu spüren und ihren Solarplexus zu öffnen, damit sie besser atmen kann. Beide wissen: Es ist Zeit, anzuschauen, was in ihnen auf Erlösung wartet, damit die Hufe sicher über das Land fliegen können und man Kristina’s Lachen dabei aus vollster Brust kilometerweit hören kann.

Wahrheiten

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