Das Pferd, das nicht spricht

Vor einer Woche hatte ich ein telefonisches Pferdegespräch mit der Stute Flora. Als ich den ersten Kontakt zu ihr aufnehmen wollte, kam kaum etwas von ihr. Sie zeigte sich nicht, ich konnte nichts fühlen, sehen, hören oder verstehen. Ich war geduldig, denn manchmal ist das so bei scheuen oder menschenunfreundlichen oder traumatisierten Pferden. Manchmal brauchen die ein wenig Zeit, um warm zu werden mit der Gesprächssituation. Als Hilfestellung stellte ich ihr ein paar Fragen, alles in einer professionellen, also neutralen, erwartungslosen und liebevollen Haltung ihr gegenüber. Ich versicherte ihr, dass sie gar nichts sagen müsse, aber dass sie hier die Gelegenheit hätte, zu sprechen.

Es kam dennoch weiterhin wenig von ihr. Dann stellte ich ihr die Frage, ob sie überhaupt mir mit sprechen möchte. Die Verneinung auf diese Frage kommt sehr selten vor. Im Profikurs der Pferdeflüsterer Ausbildung nenne ich so etwas den „1% Fall“, weil es so extrem selten vorkommt, dass ein Pferd wirklich nicht mit dem Tierkommunikator sprechen möchte.

Ist man im Pferdegespräch nicht professionell und selbstsicher genug, kann es sein, dass ein scheues Pferd einen nicht sonderlich freudig begrüßt und man sich davon schnell abbringen lässt, weiter zu sprechen. Ein Profi aber schafft es, in wohlwollender Haltung bei sich zu bleiben und einfach anzunehmen, dass das Pferd wenig sagen kann. Meistens geht das Pferdegespräch dann nach den beginnenden Schwierigkeiten doch noch richtig los.

In diesem Fall aber war Flora’s Antwort auf meine Frage, dass sie nicht mit mir sprechen möchte. Flora möchte ausschließlich mit ihrer Menschin reden. Sie teilte mir nur mit, dass sie von ihrer Besitzerin verlangt, dass diese selbst mit ihr spricht, sie könnte das schließlich. Das teilte ich so mit, verwies Monika auf meine Youtube-Übungsvideos für Tiergespräche und ermutigte sie, es so zu versuchen. Berechnet habe ich ihr diesen Termin nicht, obwohl wir am Ende eine knappe halbe Stunde telefoniert haben. Mein Anspruch an ein Pferdegespräch ist schon, dass das Pferd sich mehr äußert, als dass es mir nur sagt, dass es sich nicht äußern will und warum. Da es so selten vorkommt, kann ich es mir leisten, für diesen Arbeitsaufwand nichts zu berechnen.

Es auszuhalten, keine Informationen vom Pferd im Kundentermin zu erhalten, das ist Profiarbeit. Dies nicht auf sich zu beziehen oder aber die Ablenkungsversuche des Pferdes und die dann aufkommenden, abgelenkten Gedanken als Information vom Pferd zu interpretieren, ist etwas, was nicht jeder kann. Es braucht eine fundierte Ausbildung und genügend Erfahrung. Ich schätze, dass manch eine Tierkommunikatorin hierbei falsche Schlüsse zieht und den Besitzer am Ende verwirrt mit „falschen“ Informationen zurücklässt.

Die Rückmeldung von Monika zeigt sehr schön auf, was passiert, wenn ein Pferd wirklich gehört wird. Selbst, wenn es mich nur als Zwischenschritt benutzt.

„Liebe Catherin!
Ich möchte dir unbedingt berichten, wie es Flora und mir diese Woche ergangen ist! Einfach unglaublich!
Nach dem Gespräch mit dir war Flora 2 Tage stinksauer mit mir. Sie war noch unzugänglicher als sowieso schon, hat mich überhaupt nicht beachtet, hat beim Hufe auskratzen die Ohren angelegt und sich drohend zu mir umgedreht, auf gut deutsch, fass mich bloß nicht an.
Ich war wirklich unglücklich und dachte, jetzt habe ich ihr Vertrauen, das ich so langsam aufgebaut hatte, ganz verloren. So negativ hatte ich sie noch nie vorher gesehen.
Da dachte ich an den einen Satz, den du gesagt hast, dass Flora diesen Weg wohl mit mir gehen möchte, dass das dein Eindruck ist.
Ich habe mir ein Herz gefasst und begonnen, mich auf sie zu konzentrieren. Ich habe mich bei ihr entschuldigt, dass ich nicht selbst versucht habe, Kontakt mit ihr aufzunehmen. Da hat sie mich völlig in den Senkel gestellt und war fast physisch da!! Sie will mit niemandem Fremden reden!!
Ich habe gesagt ich werde es versuchen, sie solle mir aber auch gefälligst dabei helfen, sie soll sich dafür auch öffnen. Wir sind schließlich ein Team, das aus Zweien besteht.
Und heute…. wir haben verladen geübt, ich konnte sie alleine verladen, beim öffnen blieb sie stehen und hat auf mein Zeichen von draußen gewartet, bis sie selbständig rückwärts gehen darf, ich habe draußen auf sie gewartet! Einfach Wahnsinn!
Dann durfte sie gleich wieder auf die Koppel zu ihrem Kumpel. Später habe ich sie zum putzen geholt, da hat sie das erste mal ihren Kopf auf meine Schulter gelegt und sich kraulen lassen. Sie ist nicht rückwärts ausgewichen! Ich war fassungslos und ergriffen und überglücklich!
Liebe Catherin, sie wollte wohl nicht mit dir reden und hat dabei doch sehr viel verdeutlicht. Ich bleibe dran und traue mir mehr zu, ich denke damit tue ich Flora einen Gefallen.
Ich danke dir für unser Gespräch und würde dich auf dem Laufenden halten, wie sich unsere Partnerschaft entwickelt.
Ganz herzliche Grüße von Monika, die jetzt frohen Mutes ist.“

Die Richtigmacher

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