Warum Costa Rica?

Vielleicht hast du mitbekommen, dass ich nach Costa Rica ausgewandert bin. Zusammen mit meinem Partner John, meinen drei Pferden und unseren beiden Hunden. Wir haben unseren gemieteten Hof in Schleswig-Holstein verlassen und Deutschland den Rücken gekehrt. Ich habe viele Fragen dazu gestellt bekommen und eine der häufigsten war: „Wieso Costa Rica?“. Die Antwort darauf wird keine Aufzählung von auswandererfreundlichen Fakten, sondern eine persönliche Geschichte.

Als ich 17 Jahre alt war, bekam ich die Chance, ein Auslandsjahr zu verbringen. Das war eine Zeit in meinem Leben, in der es mir sehr gelegen kam, weit weg von allem zu sein. Am liebsten wäre ich nach Island gegangen und hätte dort ein Jahr auf einer Pferdefarm gelebt, aber das war nicht möglich. Auf der Liste mit möglichen Ländern kreuzte ich also alle der lateinamerikanischen Länder an. Es war weit genug weg und ich würde eine nützliche Sprache lernen. Von den anderen Teilnehmern dieses Austauschprogrammes kreuzten wohl nur wenige „Kolumbien“ an, denn auch 1997 galt dieses schon als gefährliches Land. Also schickte man mich dort hin.

Was dann kam, war das Jahr, welches ich lange Zeit als das schönste meines Lebens titulierte. Ich lebte in einer Kleinstadt in den Anden, einem Ort, der keine blonden, großen Menschen kannte. Ein Ort, an dem niemand Englisch sprach. Ich erinnere noch den ersten Tag in der Schule, den Blick auf ein Meer von schwarzhaarigen Köpfen, die sich um mich scharten, um mich anzufassen und zu begutachten – definitiv einer der Wachstumsmomente meiner eher introvertierten Persönlichkeit. Ich traute mich anfangs nur mit den Hunden auf die Straße, denn ich konnte kaum einen Meter zurücklegen, ohne angesprochen zu werden. Ich lernte also Spanisch, denn was blieb mir anderes übrig? Schon bald war ich die merkwürdige Fremde mit den Hunden und man legte mir Welpen vor dir Tür, um die sich niemand kümmern wollte. Einer der Straßenhunde, mit dem ich befreundet war, folgte mir bis in die Schule, da war was los.

Ich lebte in einer sehr herzlichen, kontaktfreudigen Gastfamilie, deren Eltern jeweils viele Geschwister hatten, so dass ich auf einen Schlag um die 20 Onkels und Tanten hatte, dazu noch eine kleine Gastschwester und auch ein paar Hunde, Kaninchen und bald auch ein Pferd. Der Vater arbeitete viel mit Bauern zusammen, wir verstanden uns auch ohne Worte. Ich ging anfangs zur Schule, wurde dort aber bald mit den Worten begrüßt, dass ich am nächsten Tag nicht wiederkommen bräuchte, wenn ich den Rock meiner Schuluniform nicht wieder länger tragen würde, mindestens unter dem Knie. Ich hatte ihn gerade kürzen lassen, knapp übers Knie, so wie alle anderen Mädchen der Schule auch. Das erzählte ich meinem Gastvater, der nur kommentierte: „Dann gehst du halt nicht mehr hin!“.

Ab dem Moment konnte ich ausschlafen, durch die Stadt streifen, mit meinen Freunden und Tieren sein, mich in die Berge verziehen und bald auch mit meinem Pony durch die Gegend reiten. Ich hatte ein junges Pferd zur Verfügung bekommen, welches ich ohne Sattel und mit Halfter einritt. Die Augen der Menschen waren groß, als ich meinen damaligen Freund auf meinem Pferd von der Universität abholte. Ein reitendes Mädchen, ohne Sattel, in zerrissenen Jeans – undenkbar.

Als ich zurück nach Deutschland musste, überkam mich eine tiefe Traurigkeit, die jahrelang anhielt. Viele Austauschschüler hatten einen Kulturschock, als sie in dem fremden Land ankamen. Ich hatte einen, als ich in mein Heimatland zurückkehrte. Dieses eine Jahr in Kolumbien hinterließ einen tiefen Eindruck in meiner Seele und ich fühlte mich fortan mehr kolumbianisch, als deutsch. Als der erste Winter wieder über mich herfiel, verstand ich die Welt nicht mehr und wusste: So muss ich nicht leben.

Ab diesem Moment nutzte ich jede Gelegenheit, um zu reisen und noch mehr von der Welt kennenzulernen. In Florida hatte ich bei Freunden ein altes Surfbrett entdeckt und war damit etwas umhergepaddelt. Ich entschloss, Wellenreiten zu lernen und ließ mir sagen, dass Costa Rica das beste Land dafür wäre. Nach meinem Abitur ging ich also ein halbes Jahr auf Rucksackreise in Costa Rica. Ich surfte jeden Tag, schluckte dabei anfangs gefühlt 2l Salzwasser für mindestens drei Wochen täglich. Damals waren surfende Frauen noch eine Rarität in Costa Rica und Unterricht auf anfängerfreundlichen Styroporbrettern noch nicht verbreitet. Ich kämpfte mich selbst durch die Wellen, bis ich sie verstanden hatte. Für die gesamte Zeit meiner Reise war ich täglich im Wasser, meistens zwei Mal. Ich hatte eine neue Leidenschaft, nach den Tieren, für die ich lebte. An meinem Lieblingsstrand gab es ein Grundstück zu verkaufen, für um die USD 20.000,-. Ich wollte es kaufen, hatte aber kein Geld. Als ich zurück nach Deutschland kehrte: Kulturschock. Dazu kam noch der Entzug des Meeres, der Wärme, Sonne und Natur und des Erlebnisses, mit dem Meer eins zu sein. Es war jahrelang wie ein körperlicher Schmerz, nicht surfen zu können. Ich träumte oft, dass ich an den Strand käme, aber aus irgendeinem Grund nicht ins Wasser könnte. Schrecklich. Ich wollte immer zurück. Costa Rica war wie Kolumbien, nur viel kleiner, freundlicher, einfacher zu bereisen, entspannter, wärmer und noch schöner – und mit so viel schöner Küste und unzähligen, traumhaften Stränden, dass es zu meinem Lieblingsland wurde. Ich kehrte oft zurück und wusste, dass ich hier leben würde, wusste aber nie, wann oder wie.

Jetzt, zwanzig Jahre später, sitze ich hier, frisch eingewandert, und habe es geschafft. Seit dem Moment, als wir aus dem Flieger stiegen, ist ein riesiger Stein von meinem Herzen gefallen und ein absolutes Zuhause-Gefühl hat sich eingestellt. Wieso es so lange gedauert hat? Daran haben ganz allein die blöden Glaubenssätze Schuld.

Nachdem ich also, in ständigem Fernweh lebend, mein Berufsleben in Deutschland begonnen hatte und nach ein paar Jahren als Tierpflegerin meiner ersten Leidenschaft nachgehen konnte, gelangte ich zu der Überzeugung, dass ich es meinem damaligen Hund Merlin und dann auch bald meiner Stute Mouna nicht antun konnte, sie ins Ausland zu verschleppen. Schon gar nicht so weit weg in so ein heißes Klima. Merlin war ein hypersensibler, traumatisierter „Problemhund“, der so eine Reise vielleicht nicht oder nur schwer überstanden hätte. Ich versuchte also, zu akzeptieren, dass man nicht alles im Leben haben kann und damit glücklich zu sein, zumindest eine Leidenschaft in meinem Leben leben zu dürfen: Die Tiere, ganz besonders die Pferde. Was folgte war meine erfolgreiche „Karriere“ als Tierkommunikatorin, später auf Pferde spezialisiert. Es ging in meinem Leben eher darum, andere auf ihren Weg zu bringen, wieder mehr in Kontakt mit den Tieren zu kommen und auch mit sich selbst. Dieser anfangs unbewusste Nebeneffekt stellte sich als existenziell wichtig für mich und andere heraus. Denn nur, wer mit sich selbst in gutem Kontakt steht, kann andere verbinden. Und so hörte ich auch immer öfter wieder bei mir selbst hin, was meine Seele zu sagen hatte.

Mittlerweile hatte ich ein großes Projekt, welches ich realisieren wollte: Das Stallsystem „Equivolution“. Ich hatte vor, es irgendwo in Norddeutschland aufzubauen, um den Prototyp ein Jahr lang zu begleiten, bevor ich das System in der Welt vertreiben kann. Doch in meiner Vision fiel es mir schwer, mir vorzustellen, wie ich mich durch graue, regnerische, kalte Tage kämpfte, während ich die Pferde in ihrem neuen Zuhause begleitete, um es zu perfektionieren. Als ich in Kontemplation mit meinen eigenen Wünschen und Träumen ging, wurde klar: Wenn ich so etwas baue, dann nicht in Deutschland, sondern an dem Ort, an dem ich bleiben will: Einem Strand in Costa Rica. Das Bild eines hochqualitativen Pferdestallsystems nach Pferdeidee auf einigen Hektar direkt am tropischen Strand in einem Land, wo Pferde nur Statussymbole oder Nutztiere sind, das war auch für mich absurd. Oder für einen dominanten Anteil in mir. Meine Seele aber atmete auf, als sie diese Botschaft endlich in mein weltliches Bewusstsein durchgebracht hatte:

Du darfst beides haben. Das Meer, die Tropen, die Wärme, die Natur, das Paradies und die Tiere, die Pferde, deine Arbeit. Alles darf sein. Du musst dich nicht entscheiden. Es gibt kein Entweder-Oder. Es gibt ein Sowohl-Als-Auch.

Ich nahm all meinen Mut zusammen und begab mich gemeinsam mit John, dessen Traum es auch immer war, in ein warmes Land auszuwandern, auf die Suche. Es dauerte drei unfassbar lange Jahre, bis wir hier ankamen. Das ist ungewöhnlich lange für meine Verhältnisse. Normalerweise manifestiere ich schneller. Aber der Quantensprung war doch etwas groß für eine Hauruck-Aktion und heute weiß ich auch, wieso. Mit all meinen Tieren in dieses Land auszuwandern, obwohl ich noch immer fließend Spanisch spreche und mich noch immer so viel besser hier fühle, als in Deutschland – das brauchte eine gehörige Portion Mut und vor allem Vertrauen. Vertrauen ins Leben, in mich, in meine Tiere, ins Universum. Was alles hätte schief gehen können oder noch schief gehen kann, was meinen Tieren alles passieren könnte, das ist ein immenser Berg von Gedanken, der immer wieder freundlich zur Seite geschoben werden möchte, denn das tiefe Wissen, das Richtige zu tun, ist mittlerweile größer, als solche Gedanken es je sein könnten. Das Vertrauen in mich, in meine Seele und in meinen Lebensweg ist erst jetzt groß genug, um diesen Raum für uns alle zu halten, die wir hier als Familie gelandet sind. Es ist nicht einfach, aber so viel leichter, als meiner Mouna dabei zugesehen zu haben, wie sie letzten Winter sterbenskrank wurde und mich immer wieder daran erinnert hatte, dass ich längst so nicht mehr Leben wollte, wie wir zuletzt lebten – ganz egal, wie toll und paradiesisch es für andere ausgesehen haben mag. Das ist auch der Grund, warum die Pferdeflüsterer Ausbildung so von mir unterrichtet nächstes Jahr das letzte Mal stattfindet. Es ist Zeit, an mich zu denken, an uns zu denken.

Deshalb Costa Rica. Die „reiche Küste“. An dem schönsten Strand des Landes und der Welt. Ein Land, welches die Jagd verboten, die Armee abgeschafft und sich dem Ökotourismus zugeschrieben hat. Das Land der Fülle, des Lichts, der Farben, der Früchte, der Natur, der Tiere und der lebensverlängernden Energie. Hier bin ich Zuhause.

Schamane Agustin aus Mexiko, 27.10.2020 :

„Dein physischer Körper ist der einer Deutschen. Aber deine Energie gehört hier nicht her. Es ist, als hättest du dich in der Familie geirrt, im Land, in der Zeit und im Raum. Du bist eine Ausländerin in deinem eigenen Land. Teil deiner Suche ist es, den Ort zu finden, wo deine Seele hingehört. Dein Körper gehört zu dieser Welt, aber deine Seele gehört nicht zu dieser Welt. Deine Seele gehört zum Siebengestirn (Plejaden, Nymphen, weibl. Priesterinnen). Ins Zeitalter der Lemurianer. Deine Seele ist alt. Atlantis – Das Abendland – Die zweite Menschheit. So etwas versteht sich als alte Seele. Aber du hast einige Zeit nicht im Menschenzeitalter reinkarniert. Du warst in einem vorherigen Leben komplett wild und männlich. Irgendeine Art von Seefahrer, 17. Jahrhundert. Der in Amerika, Cuba und den Antillen, in dieser ganzen Zone, angelegt hatte.
Deine Energie ist die Energie einer weiblichen Quelle. Du gibst sehr viel mehr, als du empfängst. Du gibst und gibst und gibst. Sie haben dir beigebracht, für die anderen da zu sein, auf die anderen aufzupassen, den anderen zu geben, dich für die anderen aufzuopfern, um menschlich zu sein. Sie haben dir nicht beigebracht, mit Eleganz zu bitten, liebevoll zu bitten. Nach Hilfe zu fragen. Du weißt, wie man hilft, aber nicht, wie man um Hilfe bittet. Du bittest um Hilfe für andere, aber nicht für dich selbst. Deshalb ist es wichtig, dass du lernst, mit Eleganz zu bitten. Deine Art zu bitten ist abzuwarten, das funktioniert nicht. Zu leiden, das funktioniert nicht. Gerechtigkeit walten zu lassen oder wütend zu werden funktioniert manchmal. Du musst lernen, zu bitten.
Ein helles Grün bedeutet, dass du Ruhe möchtest, keine Probleme möchtest, keine Komplikationen.
Du bereitest dich vor auf die nächste existenzielle Etappe.
Vor deinem Zustand in der menschlichen Reinkarnation, warst du im Zeitalter der Equiden. Gott, der heilige Geist, fragten dich Catherin: Bist du sicher, dass du ein Mensch sein willst? Und du hast gesagt: Ja, es scheint so einfach zu sein. Gott sagte: Du wirst es bereuen. Und du sagtest: Ja, ich weiß. Deshalb bist du im Menschenzeitalter gelandet und steckst fest.
In einem anderen Vorleben warst du im Meer, ganz klar. Da waren keine Pferde. In der Karibik. Oder wenige Pferde. Eins oder zwei.
Manchmal verstehst du die Pferdesprache besser als die Sprache der Menschen. Für dich ist die Menschenwelt ungerecht. Im schamanischen Glauben gibt es keine Gerechtigkeit. Es gibt das Gesetz des Waldes, das Gesetz des Stärkeren. Das Gesetz des deutschen Staates hat keine Gerechtigkeit, deshalb bist du enttäuscht. Du fragst: Wieso kann ich aus der menschlichen Reinkarnation nicht ausbrechen? Du bist in der Beschwerde gefangen. Die Beschwerde, die Enttäuschung, das Fehlen von Gerechtigkeit, das sind deine großen Feinde. Die Welt ist nicht so, wie du willst. Aber wie willst du die Welt?
Geh‘ nach Costa Rica. Mach‘ eine Pause. Mach‘ dein Projekt. Du hast keine Eile. Überhaupt keine Eile.
Bald wirst du eine Gelegenheit haben. Teil deines Schicksals ist es, ein Buch zu schreiben oder einen Film zu machen. Über das, was du mit den Pferden machst. Das, was du mit den Pferden machst, ist etwas, was du nutzen musst. Darin bist du besonders genial.
(Ich sage, dass ich schon ein Buch geschrieben habe, aber es noch nicht veröffentlicht ist.)
Und einen Film. Eine Dokumentation. Nutze das wirtschaftlich. Ich glaube, deine Bestimmung ist es, viele Monate in Südamerika zu sein, wenige Monate hier zu arbeiten. Du bist es schon mehr oder weniger am planen, aber es ist noch am Anfang.“

(Buchveröffentlichung „Freundschaft mit Pferden“ Juni 2022 im Kosmos Verlag. Hier geht es zur Pferdeflüsterer Ausbildung)

 

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