Das Prinzip „Hoffnung“

In meinem Leben als Pferdemensch bin ich mit Leuten in Kontakt gekommen, die eine feste Meinung zum Thema Kastration von Hengsten haben, nämlich dass diese nicht vertretbar wäre. Wenn jemand dann die gängig geltenden Vorteile aufzählt, zum Beispiel die viel einfachere Vergesellschaftung als Wallach, bekommt man zu hören, dass es Hengsten nichts ausmachen würde, allein gehalten zu werden. Sie leben dann nach dem Prinzip „Hoffnung“. Grob ist damit gemeint, dass sie die über den Zaun sichtbaren Stuten, die zu ihnen gehören, trotzdem als ihre Herde anerkennen und sich mit der Beschäftigung, zu hoffen, dass sie eines Tages zusammensein können, gut ausgelastet oder sogar glücklich wären. Wallache wären meistens eher „Wichte“, also ein Schatten dessen, was sie als stolzer Hengst sein könnten, in Bezug auf ihre Persönlichkeit, ihren Charakter und auch auf ihren Körper.

Dass Kastration immer eine Amputation ist, steht außer Frage. Auch ich habe mich extrem schwer getan mit der Entscheidung, Makani zu kastrieren. Aber anstatt Theorien über Hengste oder Wallache aufzustellen, habe ich meine Pferde selbst gefragt. Ich war durchaus gewillt, Makani einen stolzen Hengst werden zu lassen und diesbezügliche Änderungen der Haltung meiner Pferde vorzunehmen, wenn sie sich dafür entschieden hätten. Als ich ihnen die Optionen mitteilte (Alles bleibt, wie es ist, sie leben zu dritt als Familie / Makani zieht weg und erlebt Neues mit anderen Hengsten / Makani bleibt, wird aber abgetrennt mit einem Hengstspielkumpel gehalten), entschieden sie sich dafür, zusammenzubleiben. Makani war das besonders wichtig. Die beiden Elternpferde verstanden eh das Drama um diese Entscheidung nicht und versicherten mir, dass Makani kein Wicht werden würde, so wie Milan auch keiner ist.

Das Thema Unterdrückung ist dennoch groß in der Pferdewelt. Sicherlich gibt es auch viele Wallache, die unter ihrer Kastration gelitten haben und viele Hengste, die sich anders entschieden hätten, als Makani. Aber ob ein Pferd ein Wicht oder eine Wichtin wird, da spielen weitaus mehr Faktoren eine Rolle, als das Geschlecht. Die Liste der Mittel, wie wir Pferde gefügig und willenschwach machen, ist lang. Aus tausenden von Tiergesprächen hat sich Kastration jedenfalls nicht als primärer Grund für Probleme von Pferden hervorgetan. Für Hengste ist die Isolation allerdings ein großes Problemthema.

Seitdem ich unsere Strandvideos zeige, erhalte ich überwältigende Rückmeldungen. Man habe nie so etwas Schönes, Freies, Traumhaftes gesehen. Ganz besonders das Video, in dem wir im Schritt über den Strand ziehen und Makani tut, was er immer tut (fröhlich sein), verteilt sich in den sozialen Medien rasant und hat die zehnfachen Likes bekommen. Glücklich, stolz, zufrieden, selbstbewusst, so sehen die Menschen unser dreijähriges Babypferd. Sie fragen sich, wie ich es gemacht habe, dass er so ist. Dass er hier frei läuft und unbeschwert mit den Wellen spielt. Die Wahrheit ist, dass ich gar nichts gemacht habe. Oder zumindest nur sehr wenig. Training ist nicht so mein Fall, also hat er nur das Nötigste gelernt und das mit wenigen Wiederholungen und immer so, dass er sich dabei selbst ausprobieren konnte. Dass er frei läuft und bei seinen Eltern bleibt, ist nicht trainiert. Er ist meistens mutig, manchmal schissig, immer neugierig und fröhlich. Er findet Menschen toll, Hunde auch, andere Pferde sowieso. Er schaut sich alles an und weiß, wer er ist. Er wurde gut erzogen und begleitet von seiner Mutter, ganz besonders aber von seinem „Vater“ Milan, der auch nur ein Wallach ist. Er liebt sein Leben und entwickelt sich prächtig, trotz früher Kastration. Für Makani gibt es nicht das Prinzip „Hoffnung“, sondern nur das Prinzip „Leben“. Ich bin froh, auf meine Pferde gehört zu haben.

Wer mehr dazu lesen möchte, der kann ab 20. Juni diesen Jahres mein Buch kaufen, welches im Kosmos Verlag erscheint: „Wahre Freundschaft mit Pferden“. Es wird im Buchhandel, bei Amazon und auch in einigen, großen Reiterläden erhältlich sein. Hier ist es vorbestellbar.

Hier geht es zur Pferdeflüsterer Ausbildung, um selbst zu lernen, mit Pferden zu sprechen.

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